Der Technikbote

Loveparade-Massenpanik: Hätte Computersimulation geholfen?

by Gaby Schulemann-Maier - Jul 28 2010, 17:45

Zur Vermeidung von Massenpaniken setzen Wissenschaftler unter anderem auf Computersimulationen. Mit Rechnerhilfe sollen potenzielle Risikobereiche ermittelt werden. Hätten solche Planspiele die Loveparade-Massenpanik verhindern können? Nicht unbedingt, denn um eine der Realität möglichst nahe kommende Situation am Rechner zu erzeugen, müssen verlässliche Ausgangsdaten für die Berechnung zur Verfügung stehen. Ist dies nicht der Fall, müsste von geschätzten Eckdaten ausgegangen werden - das Resultat wäre nicht besonders verlässlich. Zudem sind die Berechnungen für Veranstaltungen in der Größenordnung der Loveparade derart komplex, dass leistungsstarke Parallelrechner vonnöten sind. Allerdings stehen heute grundsätzlich Informations- und Kommunikationstechnologien bereit, die besser genutzt werden könnten, um solche Tragödien zu verhindern.

Wissenschaftler können durch verschiedene Analysemethoden vor Massenveranstaltungen unter anderem bessere Wege für die Besucherströme ermitteln. So können beispielsweise 'Einbahnstraßen' genutzt werden, damit sich die in entgegengesetzte Richtungen bewegenden Menschenmassen nicht gegenseitig den Weg versperren. Denn treffen zu viele Menschen auf engem Raum aufeinander und versuchen sie gar, sich in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen, werden Personen eingeklemmt. Eine sogenannte Massenturbulenz ist die Folge. Innerhalb der Menschenmasse pflanzen sich dann 'Schockwellen' fort wie bei einem Erdbeben. In dieser Situation ist es schwierig, sich auf den Beinen zu halten.

Professor Dirk Helbing von der ETH Zürich erläutert: 'Menschen stürzen und es ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie unvermeidbar, dass sich die Menge über sie wälzt, da niemand mehr die Kontrolle über seine Bewegung hat. Jeder wird von der Menge geschoben und hin- und hergeworfen.' Der Forscher hat Videoaufnahmen von einer für mehr als 300 Menschen tödlichen Massenpanik auf der Pilgerfahrt nach Mekka im Jahr 2006 untersucht. Schon im Folgejahr sind seine Erkenntnisse über potenziell gefährliche Bereiche in die Organisation der Pilgerfahrt eingeflossen.

© 2010 Global Press

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